Freitag, 27. Mai 2011

Entweder scheißegal oder Geheimorganisation


Das fundamentalste Credo des bayerischen Staatsministeriums für Unterricht und Kultus gegenüber seinen Lehrerinnen und Lehrern bzw. gegenüber den Schulen kann nur so lauten: 

Ihr seid uns scheißegal – aber nervt net!

Wie komme ich zu einem solch vernichtenden Urteil? Eigentlich müsste man doch der Meinung sein, dass sich das Kultusministerium (KM) als Vermittler zwischen Schulen und Lehrern sieht. Wo gibt es freie Stellen, wer will wo am liebsten hin, wo wird man am dringendsten gebraucht…  All solche Wünsche und Bedürfnisse der Schulen und Lehrerschaft  sollten doch beim KM zusammenlaufen und sinnvoll koordiniert werden.  So wundert es, dass eine Schule dem KM gegenüber mitteilt, dass sie ausdrücklich keine Deutschlehrkraft zum nächsten Einstellungstermin  braucht, weil sie davon schon genug hat, dafür aber einen eklatanten Mangel in anderen Fächern (Mathe, Englisch, Erdkunde, …) hat und gerne eine Lehrkraft mit geeigneter Fächerkombination anfordert.
Es kommt, wie es kommen muss, die Schule bekommt eine Deutschlehrkraft – hurra! Die Schule und deren Bedürfnisse sind dem KM also scheißegal. Die der Deutschlehrkraft im Übrigen auch, denn sie wollte weder an diese Schule noch in die Region, in der sie jetzt gelandet ist. Ist dem KM offenbar auch scheißegal. 

Man sollte vielleicht die Mitarbeiter des KMs aus München wegversetzen, einfach so mal eben in die Pfalz oder in den Odenwald schicken, damit sie dort ihrer Arbeit via Home Office weiterhin nicht nachkommen. Es drängt sich einem nämlich schon irgendwann die Frage auf, was die da unten in München so schaffen. Nachvollziehbar sind die Entscheidungen nicht gerade. Um Aufklärung wird sich nicht bemüht. Erklärungsansätze – Fehlanzeige. Nachfragen – unmöglich! Scheint so, als will man sich nicht in die Karten schauen lassen. 
Mir schwant langsam, dass wir es hier nicht mehr mit einem „handelsüblichen“ Kultusministerium zu tun haben, sondern mit etwas viel Komplizierterem. Es muss sich um eine Art Geheimbehörde handeln, die in ihrem Ressort totale Macht besitzt und aufgrund ihrer strengen Informationsgeheimhaltungspolitik auch nicht wirklich angreifbar ist. Man muss schon darauf vertrauen, dass alles mit rechten Dingen zugeht. Die Zuteilung der Deutschlehrkraft ist bestimmt auch kein Zufall. Sie ist möglicherweise sogar ein Informant und die Tarnung ist exzellent. Denn die Deutschlehrkraft kann sich sofort den allgemeinen Lästereien gegenüber dem KM anschließen und ist sofort in die Schule integriert, kann also ungehindert sämtliche  Informationen an das Kultusministerium weitergeben. Ein riesen Coup, finde ich.

Absurd, oder?! 

So sehr mir der Gedanke auch gefällt, glaube ich nicht ernsthaft ein einen derartigen Komplott. Auch wenn ich dann hinter der offenbaren Unberechenbarkeit und Planlosigkeit in der Entscheidungsfällung des KMs wenigstens geheime Strategien vermuten können, die ich halt einfach nicht verstehe. Das wäre mir irgendwie doch ein Trost. Denn andernfalls muss ich doch annehmen, dass die Arbeits- und Funktionsweisen des Ministeriums wirklich komplett planlos und unberechenbar sind. Einer solchen Willkür machtlos ausgeliefert zu sein, erfüllt mich doch mit stetigem Unbehagen. 
Es würde ja eben auch bedeuten, dass wir dem KM doch allesamt scheißegal sind. Dann aber wären die obersten Bildungsziele, wie sie laut KM doch von Schulen und Lehrer vermittelt werden sollen, nämlich die Wahrung und Achtung vor der Würde des Menschen eine einzige Farce. Ich kann doch einerseits nicht auf meine Lehrerschaft und Schulen scheißen und dann mit Achtung vor der Menschenwürde ankommen. Oder etwa doch? Also das Kultusministerium kann das jedenfalls.

Mer muss staune

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